Skiclub Kelkheim e.V. - Verein zur Förderung des Skisports
Pistenpost 90
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Schneeball 90

Es muss an einem wunderschönen Frühlingstag im Mai 1974 gewesen sein.
Den Mitgliedern des gerade mal fünf Monate alten Skiclubs flatterten vier mittels Heftklammern gebundene Schreibmaschinenseiten ins Haus. Folgendes war einleitend zu lesen:
„Ab heute soll Euch in regelmäßigen Zeitabständen ein Mitteilungsblatt von unserem Skiclub ins Haus flattern. Wir halten es für angebracht, Euch auch in den Sommermonaten von den wichtigsten sportlichen Ereignissen, Veranstaltungen etc. sowie internen Clubnachrichten zu unterrichten. Dies ist gerade in der schneelosen Zeit von besonderer Wichtigkeit, damit wir untereinander nicht den persönlichen Kontakt verlieren. Wir hoffen damit, dem Wunsch vieler Mitglieder entsprochen zu haben“

Dies war die Geburtsstunde unserer Vereinszeitung, unserer heutigen „Pistenpost“.

In Händen halten wir nun nach 31 Jahren die 90. Ausgabe.
Eine glanzvolle, ganz große Leistung auf die wir wahrlich stolz sein können.

Diese Erfolgsstory war jedoch nur möglich durch das Engagement vieler unserer Mitglieder, die in diesen vielen Jahren technische und praktische Arbeiten übernahmen, Ideen einbrachten und letztlich der Bereitschaft einer Heerschar von Autoren.

Die technische Entwicklung hat vor unserer „Pistenpost“ natürlich nicht Halt gemacht. Schriftsatz, Layout, Fotos und Druck werden heute mittels damals noch undenkbarer Verfahren erstellt und ab der 81. Ausgabe ist die „Pistenpost“ im Internet zu finden.
Allen die dazu beigetragen haben ein herzliches „Dankeschön“ verbunden mit der Aufforderung an alle Leser vielleicht selbst einmal mit einem Artikel kommende Ausgaben zu bereichern.

Jede neue Ausgabe ist allerdings auch nur durch Einsatz finanzieller Mittel realisierbar. Im Vereinsetat 2004/05 sind für zwei Ausgaben und zusätzlich für unsere „Reiseausschreibung“ € 2300,- budgetiert.

Schauen wir zurück, so sind erstmals ab der Ausgabe Nr. 31 auch Firmenannoncen zu finden, Werbeannoncen von Unternehmen die bereit sind und waren, unsere Vereinsarbeit finanziell zu unterstützen. Leider war in den letzten Jahren die Anzahl stark rückläufig. Einer neuen Initiative ist zu verdanken, dass wir für die vorliegende Ausgabe wieder einige neu Inserenten gewinnen konnten.

An sie und an unsere bisherigen Dauerinserenten an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön und an unsere Leser in ihrer Rolle als Konsumenten die Bitte, diese Unternehmen zu berücksichtigen.

Autor: Alfred Herrmann

 

Alfred Herrmann ist seit 1976 Mitglied und seit vielen Jahren Vorsitzender, nachdem er vorher 12 Jahre lang Sportwart Nordisch war. Wie auf dem nach ihm benannten Steig zum Staufen geht’s unter seiner Leitung mit den Alpinen und Nordischen stetig aufwärts. Der Vorzeigesportler besitzt nicht nur einen vollen internationalen Worldloppet-Pass, sondern auch als Instructor Nordic die „einzig wahre“ Kompetenz für das Nordic Walking. Die beliebten Skiwochen in Ramsau sind ohne ihn nicht vorstellbar. Seinem Ruf, gelegentlich auf „stur“ zu schalten, ist das neue Clubheim zu verdanken. Als Hausphilosoph versucht er immer wieder mit seiner Rubrik „Schneeball“, Lawinen neuer Ideen ins Rollen zu bringen.

Familienfahrt Premiere 2005

Im vergangenen Januar fand zum ersten Mal unsere neue Familienfahrt statt.

Ziel war Flims im Skigebiet Flims-Laax-Falera (www.alpenarena.ch), das für jeden mit dem eigenen Auto in 5 – 6 Stunden erreichbar war.

Insgesamt waren sechs Familien mit Kindern zwischen 7 Monaten und 8 Jahren dabei, genauer gesagt 11 Erwachsene und 12 Kinder.
Bei den Kindern war vom Anfänger bis zum sehr guten Fahrer alles vertreten, daher besuchte ein Teil die örtliche Skischule. Dort machten sie Kurse entsprechend ihres Fahrkönnens begleitet von „Snowli“, dem Maskottchen der Skischule. Das Kursangebot ging entweder über 2 Stunden am Vormittag oder 2 Stunden am Vormittag, 2 Stunden am Nachmittag mit Essen und Mittagspause.
Wer nachmittags noch nicht genug vom Schnee hatte marschierte ca. 300 m bergan vom Hotel und konnte rodeln ! Dort endete übrigens auch der Ziehweg der Piste, das heißt, man konnte die Skier quasi am Hotel abschnallen.
Erfreulicherweise waren die Eltern skifahrerisch ziemlich homogen, sodass sich nette Gruppen zum gemeinsamen Skifahren fanden, während die Kinder in der Skischule waren, oder im Hotel von einem Elternteil betreut wurden. Das Skigebiet wurde dabei allen Ansprüchen gerecht (… es hätte allerdings etwas mehr Schnee liegen können….)

Liftstation und Schischule sind in 7 Minuten zu Fuß oder mit dem Skibus erreichbar, der direkt vor dem Hotel hält.
Das Hotel liegt an der Dorfstraße, zentral, mit Lebensmittelgeschäft und Post in unmittelbarer Nähe. Es ist ein großes Haus mit viel „Auslauf“ für die Kinder, was diese begeistert nutzten. Begünstigt wurde das ganze durch ausgesprochen freundliches Personal. Frühstück und Abendessen fand gemeinsam mit allen statt. Neben dem abendlichen 5-Gänge-Menu gab es einen Käsefondueabend und einen italienischen Abend in der dem Hotel angeschlossenen Pizzeria.
Aus meiner Sicht als Organisatorin neben Sandra Passarge und Alexander Solzer war es ein voller Erfolg, was die Resonanz der Teilnehmer bestätigt. Wir werden das Konzept in dieser Form zunächst beibehalten, wahrscheinlich für nächstes Jahr auch das Reiseziel. Da einige Teilnehmer ihr Interesse für nächstes Jahr bereits angemeldet haben, werden wir auch die Gruppengröße erweitern.


Für Fragen könnt ihr gerne anrufen:
Simone Henties 06195 / 975232
Sandra Passarge 06198 / 2506
Alexander Solzer 06432 / 62560

Autor: Simone Henties

 

Auch für Simone Henties ist Skifahren eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen! Durch ihre Eltern kam sie sehr zeitig zum SCK, nimmt seit 1987 aktiv am Vereinsleben teil. Sie ist Übungsleiterin Grundstufe alpin und Übungsleiterin bei unserer mittwochs-Skigymnastik, unterstützt die Organisation von Vereinsfesten und seit einigen Jahren auch die Familienfahrten alpin.

Obertauern 2005

Die diesjährige Trainingsfahrt stand unter dem Motto: „Ob er tau (er) n wird ????“

Froh gelaunt, guten Mutes und vor allem pünktlich waren am 29. Jänner 2005 alle Teilnehmer der Skiclub Trainingsfahrt in Kelkheim und Langen erschienen, die – nach einem neuen Skigebiet hungernd – für eine Woche nach Obertauern in den Schnee fahren wollten.

Dass es in diesem Zeitraum – vom 29.1. bis 5.2. – allerdings so viel Schnee sein sollte, hätte sich wahrscheinlich keiner der Skihungrigen träumen lassen!

Zuverlässig und sicher schaukelte uns der Bus mit ein paar „Abkürzungen zwecks Stauumgehung“ in Richtung Süden, Richtung Staatsgrenze Österreich.
Durch winterliche Landschaft ging es dann nach Obertauern, wo uns in dem kleinen Örtchen Tweng das Sporthotel "Postgut“" bereits erwartete.

Selten hatte sich der kleine „Skistall“ einer so großen Beliebtheit erfreut – denn die Skier, Snowboards, Telemarker, Snowblades und Skistiefel und Stöcke brachten den schmalen Raum fast zum Bersten und stellte im Laufe der Woche hohe Ansprüche an die Berührungsängste der Skifahrer. Körperkontakte garantiert!

Nachdem alles Gepäck, samt der zugehörigen Gäste, in den Zimmern verteilt war, durften ab 19 Uhr die Plätze im großzügigen Speisesaal eingenommen werden.
Anfängliche Unstimmigkeiten zwecks Sitzordnung konnten im Laufe der Woche ausgeräumt werden und so waren der Kommunikation untereinander und den interessanten Kennlernprozessen keine Grenzen mehr gesetzt.
(Hatte doch tatsächlich einer der Kellner die Anweisung an verschiedene Gäste heraus gegeben, dass der einmal eingenommene Platz während der gesamten Woche nicht mehr zu ändern sei, da ansonsten das Personal nicht in der Lage wäre, die konsumierten Getränke auch den tatsächlichen Konsumenten zuzuordnen?!? Na so was! Das gab es ja noch nie in all den Jahren der SCK Fahrten :-) .)

Das Abendessen ließ die schnatternde Schar ein wenig verstummen, saßen wir doch alle nach der langen Busfahrt mit knurrenden Mägen am Tisch und sahen der österreichischen Küche mit einer gewissen Vorfreude entgegen. Das Mahl wurde dann zusammen mit den leckeren Hausweinen und Spezial Veltlinern verspeist :-). Gab es da doch erhebliche Preisunterschiede zwischen dem hauseigenen und dem auf der Speisekarte befindlichen Grünen Veltliner – nun ja, man muss die Gastronomie doch unterstützen.

Nachdem dann auch noch die Gruppeneinteilungen bekannt gemacht, die Skipässe verteilt wurden und die ersten Schlummerdrinks eingenommen waren, begaben wir uns auf unser geräumiges Zimmer zur verdienten Nachtruhe, um am nächsten Morgen frisch und fit zu sein.

Am 30.1. – Sonntag – sollte es dann auch gleich das erste Mal auf die Piste nach Obertauern gehen, wo wir in gewohnter Weise von den Skilehrern und Skilehrerinnen des SCK betreut wurden.
Die Sonne strahlte und die Pisten hätten nicht besser sein können. Und so verging der erste Skitag ohne Blessuren und voller Motivation für die kommenden Erlebnisse im Schnee.

Der heutige Abend sollte unter dem Motto Hollywood stehen.
Die eingefleischten Mitfahrer kennen dieses Thema bereits und auch das allseits beliebte Spiel „Charade zum besseren Kennenlernen“.

Bereits während des Abendessens wurden die illustren Gruppen zusammen gewürfelt, die ihre diversen Zettelchen gezogen hatten und so ihre Mitstreiter – nein Schauspielerkollegen und Kolleginnen – trafen. Das Motto für alle Stücke sollte dieses Mal sein: Happy End auf allen Kanälen!
Oskarreife :-) Leistungen sollten da später zustande kommen, in den Kategorien:

  • Zeichentrickfilm Heidi – oder wie bekommt der Großvater ein Grundstück auf Mallorca? (Walter war da sehr kooperativ)
  • Miss Marple – (gespielt von unserer Isolde!) – entlarvte im Krimi „Tod in der Sauna“ den Mörder
  • James Bond alias Kai rettete im Agententhriller mal wieder die Welt und bekam dafür eine „knackige, braune Schönheit“
  • Selten gab es einen so echten Western – Helden wie Uli in dem Filmklassiker „High Noon“!, dessen Musik „Spiel mir das Lied vom Tod“ doch tatsächlich mit der Rapsody in Blue verwechselt werden könnte :-). Kreativ wurde auch die Darstellung der Kirchturmuhr umgesetzt – mit Tick und Tack, alias Jitka und Jean.
  • Die Rolle des Kung Fu Darstellers war Matthias wie auf den Leib geschrieben und er rettete seine Geisha Shiva – Ralf mit Körbchengröße D – aus den Fängen diverser Bösewichte, die alle eine sehr sportliche Figur auf der Bühne machten, gelungene Actions und Stunts brachten und mit viel Applaus bewertet wurden
  • Science Fiction brachte einige seltsam aussehende Wesen, die die Erde bedrohen wollten auf den Teppichboden, und nur dank Captain Kirk besiegt werden konnten, indem er seine Crew ganz schnell weg beamte.
  • Die Liebeskomödie „6 Mönche und 2 Mädels“ sahnte die meisten Oscars bei der Preisverleihung ab, in Form von Mini Bonbon Dosen mit dem – von Simone entworfenen – SkitoTal Aufkleber.
Im nachhinein kann man kaum sagen, ob der Sieg
  • der gelungenen Darstellung von Herbert „Daddy Cool“ als Winzer, der die Mädels mit seinen Weinbergen ködern wollte,
  • Herbert dem millionenschweren Finanzmakler, der mit Geld und Reichtum winkte,
  • Herbert P. dem Rennfahrer, der mich als „Franzer“ bei Paris –Dakar als Co-Pilot haben wollte,
  • oder womöglich dem Einsatz des Deichgrafen Bero, der uns mit Kühen und Schafen ködern wollte,
  • Jürgen, dem attraktiven Ölscheich, der nichts als sein Ego unter der Ghalabea trug und mit seinem Ölkännchen Gudrun den Kopf verdrehen wollte,
  • dem Goldketten behangenen Michel, der seinen Proloschlitten aus der Garage holen wollte
  • dem großartigen Dichter und Minnesänger Hubert zu verdanken war, dessen Gedicht hier für die Nachwelt erhalten bleiben soll.
Oder war das Publikum schlichtweg fasziniert von dem sexy Bauchtanzoutfit Gudruns, das mich dazu verleitete ihr einen Antrag mit Blume zu machen? Die „6 Jungs fanden ihr Happy End und den Seelenfrieden daraufhin im Kloster!

Es hat auf alle Fälle riesigen Spaß gemacht solche „Schauspielkollegen“ zu haben!
Und hier die denkwürdigen Strophen des Volksdichters:

Ihr holden Rosen von Obertauern,
wie lange soll ich noch auf Eure Liebe lauern?

Ich möchte Euch so gern begleiten,
zur Gamsmilchalm bei Vollmond Zeiten.
Ich möchte mich ewig mit Euch binden,
so ein’ wie mich werdet Ihr nicht wieder finden.
Jeden Morgen, wenn der Tag anbricht,
schreib’ ich Euch ein Liebesgedicht.

Heißgeliebte Eva und Anna,
nehmt mich mit auf Euer Kanna
Pe,
Denn ich liebe Euch se
rrrrrrrrr!!!!!

Eva und Anna heißen in Wirklichkeit zwar Gudrun und Moni, aber was reimt sich darauf schon? :-)
Tja, Heinz Erhardt hätte es sicher nicht besser machen können und der Spaß an diesem Abend war groß!

Der nächste Morgen brachte auch den ersten Schneefall mit sich! Ein Schneefall, der nicht enden wollte....

Aber das hält uns ja noch lange nicht vom Skifahren ab. So nahmen uns unsere Übungsleiter wieder halbtags unter ihre Fittiche und entließen uns - nach der Mittagspause im Olympiazentrum - in den Nachmittag.

Wir hatten Mühe die Piste zu erkennen – ich zumindest :-), denn einmal fiel ich Hals über Kopf in den Tiefschnee und blieb „stecken“, eifrig darum bemüht, Simones guten Ratschlag: „Du musst den Schnee fühlen“ zu befolgen. Wahrscheinlich hatte sie das ganz anders gemeint. Nachdem bei dieser Aktion die Halswirbel sich doch ziemlich gestaucht anfühlten, wurde der Nachmittag im Kräuterdampf beschlossen.

Dienstags konnten wir dann wunderbare Tiefschneeübungen machen, da es auch weiterhin endlos schneite. Nach einer weiteren Mittagspause im Olympiazentrum wurden wir in den Nachmittag entlassen, den einige von uns nutzten, um auch mal das Skigebiet in Mauterndorf zu erkunden. Zwar war dort das Wetter etwas besser, doch nach zwei Abfahrten blies uns auch dort ein eiskalter Wind in die gute Stube einer Hütte, wo wir uns mit heißer Schokolade aufwärmten, bevor wir mit dem Bus wieder nach Tweng zurück fuhren.

Durchgefroren kamen wir im Hotel an, wo die warme Sauna und das Kräuterdampfbad schon auf die Gäste wartete. Gut, dass nicht jeden Tag alle 70 Skifahrer in die Wellness-Oase strömten :-), da wäre es in der Sauna sicher noch heißer her gegangen, als nach Wolfgangs diversen Aufgüssen.

Der Küchenchef wurde allen Ansprüchen gerecht und keiner blieb an diesem Abend hungrig. Auch zu loben war das großzügige Salatbüfett, an dem sogar das gute Kürbiskernöl zu finden war, das der ein oder andere verschwenderisch über den Feldsalat kippte.

Der Blick aus dem Fenster beim Abendessen bestätigte es – es schneite immer noch. Und es sollte sich auch in der darauf folgenden Nacht nicht ändern.

Am Abend war dann noch ein zweites „Opfer“ zu beklagen. Mara hatte auch versucht den Skilehrern zu folgen und war etwas zu schnell auf der Straße gelandet. Das Ergebnis war eine angebrochene Schulter und so hatte die Arme für diesen Urlaub den Spitznamen „Die Einarmige“ weg.
Was sie aber beim Würfelspiel keines Falls behinderte :-)

Nachdem wir am Dienstag nachmittag das Nachbardorf bzw. seine Pisten erkundet hatten, konnten wir Alex am Mittwoch davon überzeugen :-) (hatte er’s doch längst geplant), mit uns in Mauterndorf Ski zu fahren. Auch hier inzwischen nur noch Tiefschnee und ein eisig pfeifender Wind am Gipfel. Dennoch hatten wir ein paar schöne Talabfahrten – mit ca. 5 Kilometern wohl die längste zusammenhängende Abfahrt in diesem Skigebiet.

Und als ob Michel es geahnt hatte, bot er auch noch einen Lawinenvortrag im Seminarraum an, den wir noch ein paar Tage zuvor als Hollywoodbühne genutzt hatten.

Der Donnerstag begann dann voller Erwartungen... es hatte weiter geschneit und beim Frühstück blickten alle sorgenvoll aus den Fenstern.
Würden wir wohl doch noch mal auf die Piste gehen können? Vielleicht hört es ja bald auf zu schneien. Na ja, vielleicht kommen ja gleich die Räumfahrzeuge.
Ist ja nicht so schlimm, wenn wir erst nachmittags Skifahren können....
Doch dann machte Michel jegliche Hoffnung, doch noch nach Obertauern zu kommen, zunichte! Es hatte Lawinenwarnungen gegeben, sodass die Liftanlagen erst einmal in unerreichbare Ferne rückten.

Und was da aus den Wolken über uns kam, sah auch nur weiß und kalt aus. Es schneite unaufhörlich. Und schließlich dann die endgültige Aussage – heute Skifrei!
Nun ja, den einen Tag konnte man auch mit Lesen, Saunieren und Erholung zubringen.
Der geplante Hüttenabend wurde zugunsten einer Party an der Schneebar abgesagt.
Und dank der tatkräftigen Unterstützung einiger weniger und der motivierenden Worte des Hotelchefs, die mit selbstgebranntem Marillenschnaps unterstrichen wurden, war die Schneebar auch relativ schnell geschaufelt und gebaut!

Wolfgang machte seinem Namen als DJ mal wieder alle Ehre und es wurde bis in die späten Abendstunden getrunken, getanzt, geschmankerlt und gelacht.

Freitag Tag „2“ im Schneechaos – keine Aussichten auf Wetterbesserung.
Das stellte natürlich besonders hohe Anforderungen an die Gästebetreuung und die Reiseleitung :-)

Nach dem Motto: „Ärgere dich nicht über Dinge, die du nicht ändern kannst“, verbrachten wir die gesamte Zeit bis zum Abreisetag ebenfalls ohne Skier unter den Füßen, denn es hatte mehrere Lawinenabgänge gegeben, sodass die örtlichen Behörden die Strecken zwischen Obertauern, Tweng und Mauterndorf vollständig sperren mussten.

Einmal mehr waren da also das Organisationstalent der Skilehrercrew, die Flexibilität des Hotelpersonals und nicht zuletzt das Verständnis der Gäste gefragt.

Zwar gab es da so manche Tränen, nachdem nun endgültig fest stand, dass wir unsere Skipässe nicht mehr nutzen können, aber wir machten das Beste daraus.

Was kann man in einem Umfeld von ca. 800 Metern anfangen, wenn man sich nur zwischen zwei Ortsschildern bewegen darf?

In kurzer Zeit wurde ein Notfalltagesablaufplan erstellt, der sogar die DVD-Film Bestände des Hotelpersonals mit einbezog, den Besuch der Stallungen berücksichtigte und passend zur Lage der Nation einen Lawinenlehrgang mit Life-Ausgrabungen der Opfer und das Erstellen von Schneeprofilen vorsah.

Bei dem einen Nachbarn durften neu geborene Kälber bestaunt und bestreichelt werden. Bei einem anderen konnten Rodelschlitten ausgeliehen werden, die einen auf einer rasanten Pistenabfahrt doch tatsächlich 200 Meter weit brachten.

Bei Glühwein, gutem Marillenbrand, hausgemachter Gulaschsuppe, Schneeballschlachten mit den Hauskindern und jeder Menge Disco- und Winterhits, wobei auch der Auftritt von „Anton aus Tirol“ mit seinen antiken 3 Meter Skiern nicht fehlen durfte, verbrachten wir den Tag und den Abend.

Eine besondere Heldentat vollbrachte Detlef – unser Busfahrer – wagemutig oder ein bisserl verrückt muss man da schon sein! ?
Er hatte sich trotz der Schneemassen und Lawinenabgänge zu Fuß von Obertauern nach Tweng aufgemacht, um uns auch ja pünktlich am Samstag wieder nach Hause fahren zu können.

Aber auch „unsere Isolde“ hatte sich wieder mal eine besondere Tat einfallen lassen – hatte sie doch allen ernstes - beim traditionellen Dankeschön an alle Übungsleiter - behauptet, dass sie aufgrund der katastrophalen Schneeverhältnisse keine Kosten und Mühen gescheut hätte, die wunderschönen T-Shirts per Hubschrauber extra für diesen Abend hätte einfliegen lassen!!!!
Nun, den Hubschrauber hatten wir alle gehört, manche auch gesehen, aber ob der nun wirklich die Shirts unterm Rotor hatte...... :-) ?

Und wie sollte es auch anders sein?
Pünktlich – am Samstag - um 8 Uhr strahlte die hellste Sonne, die man sich vorstellen kann und vertrieb auch die letzten Nebelschleier.

So hatten wir noch einen letzten Blick auf die herrlich schneebedeckten Berge und Wälder, die nun im gleißenden Sonnenlicht auf all die Skifahrer warteten, die nun nach uns kommen sollten und bereits in Kilometer langen Staus auf der Tauernautobahn standen.

Nun ja, nächstes Jahr fahren wir eine Woche später nach Obertauern, da können dann andere Gäste eine Schneebar bauen und in den Streichelzoo gehen, dann stehen wir am 4. Februar 2006 im Stau und freuen uns schon heute auf eine neue Chance zum Skifahren mit Melitta, Michel, Alex, Ralf, Holger, Simone, Stefan und all den anderen 70 Mitreisenden :-)

Gute Nachrichten verbreiten sich manchmal am langsamsten :-), aber besser spät als nie! Und so erfuhren wir auf der Rückfahrt im Bus, dass wir alle, dank des Einsatzes eines kleinen Häufleins von Skifahrern, die den sonnigen Tag noch auf der Piste ausnutzten, tatsächlich noch einen „Fuffziger“ für die entgangenen Skitage zurückbekommen würden. Das war doch noch eine nette Überraschung, nach all dem Schnee, den Lawinen und den fehlenden Abfahrten.

Und wenn Ihr mal die Nase voll habt vom Schnee, dann könnt Ihr gerne mal mit mir zum Schnuppertauchen gehen. Es soll ja auch Skifahrer geben, die gerne mal abtauchen!

Das Schnuppertauchen findet regelmäßig – ab 8. Mai 2005 vierzehntägig -Sonntags im Hallenbad Hochheim statt.
Für Fragen und Anmeldungen stehe ich Euch gerne jederzeit zur Verfügung.


Ski Heil und bis zum nächsten Mal!

Eure

Autor: Monika Bischoff-Schaefer

(keine Skilehrerin, aber dafür leidenschaftliche Tauchlehrerin :-) )


Telefonnummer unter der Ihr mich bei Interesse am Tauchen erreichen könnt: 069-439014
Tauchkurse finden jeden Monat statt ! Termine auf Anfrage!

 

Seit vielen Jahren ist Monika Bischoff-Schaefer mit dem SCK verbunden. Aus anfänglichen Courchevel-Reisen haben sich Fahrten nach Zauchensee, Brixen, Campitello, Obertauern, Zillertal, Kronplatz und Soraga ergeben. Monika ist begeisterte PADI Tauchlererin, Fotografin, Skifahrerin, Rennradfahrerin und beruflich im Bereich Gartenbauwissenschaften / Phytomedizin als Versuchsingenieurin tätig.

Snowxxpress Zillertal

Es ist bald soweit, alle von uns zählen nur noch die Tage bis es endlich los geht !Und zwar zur Snowxxpress-Fahrt ins Zillertal. Am Samstag den 26. März frühmorgens (noch mitten in der Nacht: 8:00Uhr) versammeln sich alle Ski- und Snowboardbegeisterten, der Skigilde Langen, dem Skiclub Taunus und dem Skiclub Kelkheim, vor Stoki's Bus. Dieser schichtet eifrig Taschen, Koffer, Skier und Boards. Endlich ! Der Countdown geht gegen Null! Nach etlichen Stunden Fahrt und einem "ausgewogenen " Mittagessen bei Mc Donalds , kommen wir im Zillertaler Weinstadel an.

Die Zimmer sind verteilt, neue Leute werden in die Insider von den "alten Hasen" eingeweiht. Weiter passiert an diesem Abend nix Spannendes, also vorspulen ...Nächster und erster Ski- und Snowboardtag, im Bus wird die rhetorische Frage nach dem Skipass und weiteren Sachen, die man evt. vergessen haben könnte gestellt: mehrere Leute stürzen hektisch wieder aus dem Bus ! endlich haben alle ihre Sachen beisammen. Michel gibt noch die letzten Anweisungen zum Treffpunkt fürs Mittagessen. An der Bergstation werden die Gruppen eingeteilt, die Anfänger machen sich auf zum Anfängerhügel und die Cracks stürmen die steilsten Hänge, alle anderen machen sich ebenfalls auf den Weg. Fast hätten wir es verdrängt, vorher wird natürlich noch ordentlich aufgewärmt und zwar a`la Wolf.

Nach der ersten Abfahrt bei strahlendem Sonnenschein und "noch" gutem Schnee wurden erst mal die Schokovorräte der Übungsleiter geplündert ( für alle Interessenten der Fahrt, Schoki gibt es gratis und besonders wenn man "Sick and tired " ist (Zitat von Matthias )! Mittagessen gab es dann auf der Alm, wie alle Jahre wieder Kaiserschmarren und Germknödl! Um die Rückfahrt zum Hotel kümmert sich wieder Stoki , der uns schon den Vormittag über mit seinen Snowboardkünsten treu begleitet hat.

Weiter spulen .... Montag! Auch am Montag morgen und am Dienstag ging es an den Horberg ( die "alten Hasen" kennen das Gebiet nun schon wie ihre Westentasche ). Kaum auf dem Berg angekommen geht es mit Ski oder Snowboard die Pisten runter und dass bei Kaiserwetter. Nach einem genialen Tag im Schnee versammeln sich alle zur abgemachten Zeit an Stoki's Bus . Doch eine ganz bestimmte Gruppe fehlt mal wider , wir wollen ja keine Namen nennen, gell Yannick! Mit einiger Verspätung kam dann auch Yannick's Gruppe in Hippbach an, da sie den öffentlichen Bus nehmen mussten. Wie im Flug vergeht die Zeit und ehe man sich versieht sitzt man beim Abendessen vor einem Teller Schnitzel mit Pommes. Zu guter letzt findet nach dem Essen eine Team bzw. Lagebesprechung statt.
Das Ganze läuft ungefähr so ab : Bettina ergreift das Wort und das bedeutet, dass der Rest der Meute ruhig ist ( was nicht immer der Fall ist, aber wir versuchen es zumindest ). Ankündigung für den nächsten Tag : Es geht auf den Gletscher ! Da ist die Freude bei Allen natürlich groß , aber dass heißt für uns eine Stunde früher aufstehen.

.... nächster Tag: Mittwoch, erster Tag am Hintertuxer Gletscher

Auf dem Gletscher erwarten uns super Schneeverhältnisse, welche die Müdigkeit wieder wett machen. Nach einem anstrengenden Ski- und Snowboardtag haben wir uns noch ein "special Event" verdient. Dieser Abend wird ein ganz besonders toller, denn es gibt zweimal Essen !! Dies liegt daran, dass wir heute Abend in einer nahe gelegenen Hütte grillen werden. Nach einem Fußmarsch, werden wir dort mit Würstchen im Brötchen empfangen, die einige Übungsleiter fröhlich auf dem Grill brutzeln. Nach dem Essen geht es mit einer Fackelwanderung zurück zum Hotel, wo alle Fackeln zu einem mehr oder minder winzigen Lagerfeuer zusammengeworfen werden, dass die kleinen Jungs am Ende auspinkeln!

...und wieder einmal vorspulen , bitte: Donnerstag , zweiter Tag am Gletscher Da es bei uns im Tal regnet , beschließen wir kurzfristig noch mal auf den Gletscher zu fahren. Dort erwarten uns Wetterbedingungen , wie im tiefsten Winter . Starker Schneefall und schlechte Sicht , doch die meisten von uns lassen sich ein Tag im Tiefschnee nicht nehmen! Und so zeihen wir los, um die Pisten, vor allem aber die Skirouten unsicher zumachen. So geht schließlich auch dieser Tag zu Ende . Doch eine Besonderheit wartet noch auf uns , der legendäre Abschlussabend, der diesmal schon am Donnerstag statt findet. Wir teilen uns in Gruppen auf die, die Aufgabe bekommen eine Filmszene vor zu bereiten . Die Filme decken alle Bereiche von A , wie Action bis Z , wie Zeichentrick ab und nach diesen gelungen Kurzfilmen steht eindeutig fest , dass wir auch Hollywood tauglich sind. Die Helden des Abends sollten hier auch erwähnt werden: Michel, der von Julia alias Peggy Sue eins mit der Bratpfanne übergezogen bekommt und am nächsten morgen trotz Beule den Kopf hoch hält. Unter Anderem Felix, der nach sechs Ohrfeigen von Kathi tapfer weiter lächelt. Die Prügeleien fanden natürlich nur unter der Regie der Übungsleiter statt.

....letzter Tag auf der Piste. Für den heutigen Tag haben sich die Übungsleiter mächtig ins Zeug gelegt. Denn es soll am Horberg ein Abschlussrennen und ein Freestyle Contest statt finden. Das heißt für die fleißigen Helferlein unter uns, Rennkurs abstecken , Kicker schaufeln und alles was sonst noch so dazu gehört. Nach einem bestimmten Rennprinzip, dass keiner von uns wirklich versteht, stürzen Boarder wie Skifahrer nacheinander den Slalomparcour hinunter. Im Ziel gibt es Schokolade und eine ordentliche Portion Lob für alle. Danach findet im Funpark der Freestyle Contest unter Yannick's Anleitung statt, hier zeigen einige Boarder und ein tapferer Skifahrer ihr Können. Die Zuschauer bekommen alles von Fast 720s bis Boardslides-to-Armbruch geboten.

Der letzte Abend steht vor der Tür ! Eine super Woche neigt sich dem Ende zu.
Die Fundsachen werden von Bettina versteigert, in der Hoffnung dass die richtigen Besitzer gefunden werden. Nach dem Abendessen feiern alle in den Zimmern zwischen gepackten Koffern. Viele sitzen noch lange zusammen und erinnern sich an die schönsten Ereignisse der letzten Woche.

... nächster Tag: Rückreise Am letzten Morgen sitzen alle stark übermüdet und von der Woche geschafft am Frühstück. "Pünktlich" um neun Uhr sitzen alle im Bus, die Hälfte schläft , die andere Hälfte schaut Ice Age und Snowboardfilme. Während einer Minipause wird von "freiwilligen Helfern" der Bus geputzt.
Weiter geht es im blitz-blanken Bus Richtung Langen und Bad Homburg, dort angekommen werden in Langen die ersten Leute verabschiedet.
Weiter geht es zur Endstation , wo sich der Rest der Leute noch trennen muss! Die Fahrt ist zu Ende, alle sind gut gebräunt und um einige Erfahrung und Freunde reicher zu Hause angekommen.
Nun können wir dem Nachtreffen mit Freude entgegen blicken !

Autoren: Stefanie Holtz, Kathrin Lohfink, Sabrina Menke, Celina Zenz

 

Familienwoche in Ramsau

Ein Mega-Event der Nordischen

Selten war wohl der Blasbichlerhof inklusive sämtlicher Nebengebäude und Souterrains bis zum letzten Bett so ausgebucht wie in der Zeit vom 2.bis 9.Januar 2005. Alfred`s Werbeanstrengungen sorgen für einen Mega-Event von fast siebzig Teilnehmern, wenn man diejenigen noch einbezieht, die in dem nahen Kobaldhof Zuflucht gesucht haben. So gut wie alle, die in unserem Club der nordischen Fraktion zuzurechnen sind, geben sich in Ramsau die Ehre. Ja, selbst etliche Alpine machen den Ritisberg und andere beliftete Hügel unsicher und –was die bisherige Arbeitsteilung in Frage stellt – steigen vereinzelt sogar von Carvern auf Skater um. In diesem Jahr sind erstaunlich viele von jenen Skilangläufern dabei, die man zu den „Leistungsträgern“ des Clubs rechnet, weil sie zum Ruhme des Vereins wie wild hinter Meistertiteln her rennen, Pokale horten und weiß-Gott-wo in der Welt hunderte von Renn-Kilometern und Stempel im Worldloppet-Pass sammeln. Eindeutig bestimmt wird das Geschehen aber von der großen Mehrheit derjenigen, die den Skilanglauf aus reinem Spaß an der Freud betreiben und sich einen Teufel um Zeiten und Plazierungen scheren. Da sind einmal die Nordic Walker, die das ganze Jahr über von Andrea, Anne, Marlene & Co. für diese Trendsportart heiß gemacht wurden und im Schnee nach einer coolen Fortsetzung ihrer leidenschaftlichen Stockarbeit suchen. Dann gibt es viele Skilangläufer, die jedes Jahr feste mit von der Partie sind, vor sichtbaren Fortschritten aber zurück schrecken, weil sie keinesfalls das Los der stressgeplagten Leistungsträger teilen wollen. Besonderes Gewicht hat auch die Bombergruppe, die den höchsten Genuss darin sieht, im Sonnenschein zur Sonnalm aufzusteigen und dort mit dem singenden Hüttenwirt Gerhard allerlei Remmidemmi zu machen.

Was die in die nordische Trainingswoche eingeschleusten Alpinen angeht, so handelt es sich gewissermaßen um einen Generationenvertrag. Ein wichtiges Kernstück der Ramsauer Aktivitäten ist die Familienwoche, an der Eltern mit Kindern teilnehmen. Die Eltern können Langlauf machen, die Kinder, die sich für den Langlauf noch nicht begeistern lassen, können sich an den Alpinhängen austoben, um sich anschließend von Oma und Opa mit Eis verwöhnen zu lassen. So kommt jeder auf seine Kosten und der Verein hopefully nachhaltig zu Nachwuchs.

Training „nach Maߓ

Natürlich wird niemand sich selbst überlassen. Der Skiclub bietet für alle Ansprüche Training „nach Maߓ. Jeder bekommt die Übungsleiterin oder den Übungsleiter, die oder den er verdient; und diesmal stehen mehr denn je bereit, ihr Wissen und Können an Interessierte und Bedürftige weiter zu geben. Das beginnt jeden Morgen gleich nach dem letzten Frühstücksei mit dem obligaten Warm-up. Ute die Gute ist wieder da und bringt die sehr zahlreich teilnehmenden Skilangläufer aller Klassen auf der Exerzierwiese in rhythmische Bewegung. Das Fitness-Programm besteht aus einer gelungenen Mischung aus Skigymnastik, Aerobic und gewagten Balletteinlagen, letztere allerdings von einzelnen Mitwirkenden unverkennbar a la sterbender Schwan interpretiert. Auch Andrea und Manfred J. haben immer wieder das sportpädagogische Händchen und Füßchen, mit dem Aufwärm-Ritual nicht nur im Geiste der Gesundheitsreform der Bewegungsarmut zu Leibe zu rücken, sondern auch der Spaßgesellschaft neue Impulse zu geben.
Nachdem alle aufgewärmt und in Stimmung gebracht sind, scharen sich die verschiedenen Gruppen um die Übungsleiter. So widmet sich Bernhard, unser Sportwart nordisch, der nach längerer Zeit wieder in Ramsau mit dabei sein kann, der pädagogisch anspruchsvollen Aufgabe, die Einsteiger für den Skilanglauf zu begeistern. Alfred, Andrea und Manfred J. vermitteln den mehr oder weniger stark Fortgeschrittenen die reine Lehre des klassischen Skilanglaufs und knüpfen damit an die mehr als 30jährige Tradition im Skiclub an. Sofern bei einzelnen Schülern eine Neigung zum Passgang (nach Art der Kamele) zu erkennen ist, versuchen sie bereits den Anfängen zu wehren und hartnäckige Wiederholungstäter durch Androhung des Ausschlusses aus der nordischen Fraktion von ihrem Fehlverhalten abzuschrecken. Wer sich diesem Risiko erst gar nicht aussetzen will, geht gleich in die Skatinggruppe zu Hubert, wo der Freistil fröhliche Urständ feiert und wo einen der Diagonalschritt den Teufel schert. Mit einer Ausnahme freilich: wer Kraft sparend im „Ladyskate“ steile Anstiege hinaufskaten will, tut gut daran, im diagonalen Salamandergang und nicht im höckrigen Camel Style locker hochzuschlängeln.
Ganz locker geht`s auf jeden Fall in Reiner`s Wellness-Workshop zu, wo es das Lehrziel ist, auf einsamen Loipen das Naturerlebnis zu verinnerlichen und in entlegenen Berghütten mit allerlei geistigen Essenzen Meditationszirkel abzuhalten.

Überhaupt haben alle Teilnehmer die Chance, Pflicht und Kür in Einklang miteinander zu bringen und nach den Trainingsstunden am Vormittag den Nachmittag zu schönen Skiausflügen zu nutzen. Nirgends im weit gespannten Ramsauer Loipennetz ist man dann sicher vor Skiclub-Mitgliedern; auch gibt es keine Gaststätte und Berghütte weit und breit, in der die lieben Kameraden nicht den Einkehrschwung üben. Und erst beim Ski- Willy! Für alle Ramsau-Fahrer ist es ein Muß, immer wieder in das Mekka aller Loipinisten zu pilgern, um beim wahrscheinlich größten Ski-Ausstatter zwischen Nordkap und Sizilien nach neuester Technik und Mode Ausschau zu halten. Viele unterliegen sogar einem inneren Zwang, bei der Ankunft in Ramsau als allererstes beim Ski-Willy Station zu machen, um Geschenkgutscheine und Wünsche von Weihnachten einzulösen und die anderen vor Neid erblassen zu lassen.

Mal zu wenig, mal zu viel Schnee

Im Gegensatz zu manchen früheren Jahren ist das gesamte Loipenetz täglich befahrbar, wenn sich auch der Januar so launisch wie der April verhält. Anfangs ist die Schneedecke noch recht dünn, so dass die Übungsleiter schon suchen müssen, wo sie das Training am besten absolvieren können. Dann schneit es wieder so kräftig und stürmisch, dass man die Hand kaum vor Augen sieht und einige Gruppen sich zum Training in den schützenden Wald zurückziehen. Den trüben Zeiten folgen Sonnentage, an denen die gewaltige Kulisse des Dachstein-Massivs schon in der Morgensonne strahlt und Entzückungsschreie auch dann an der Tagesordnung sind, wenn Übungen in die Hose gehen oder Abfahrten am Hosenboden im Schnee enden. Vorübergehend sorgt aber auch ein Wärmeeinbruch samt Regenschauern dafür, dass der Schnee aufweicht und zunehmend Maulwurfshügel manche Loipen schwer passierbar machen. In solchen Situationen muss man allerdings anerkennen, dass Ramsau alles versucht, um sich von den Launen der Natur unabhängig zu machen. Einige viel befahrene Loipen werden mit Kunstschnee präpariert, und zumindest das für die Nordische Weltmeisterschaft 1999 gebaute Stadion ist immer schneemäßig tip-top gepflegt. Vor allem die Gruppe der Skater findet dort supersteile Anstiege und Abfahrten, einen reizvollen Overfly und ein ideales Gelände für heiße Zielsprints.

Die immer wieder spannenden Erlebnisse des Tages werden abends natürlich stets in fröhlicher Runde ausführlich kommentiert. Beliebt sind aber auch unterhaltsame Spiele mit viel Hallo, wenn vor allem der Würfelbecher kreist und beim Mäxchen die kaltblütigsten Schwindler Hochkonjunktur haben. Andere wiederum nutzen den Auftakt der Skisaison, um die Pläne und Termine für die bevorstehenden Veranstaltungen und Rennen abzustimmen und um reges Mitmachen zu werben.

Super-Gaudi auf der Halser Alm

Singe, wem Gesang gegeben, heißt es schon die Woche über, und die Musi ist auch wieder rege dabei. Horst, Hubert und Andrea haben schon zu Hause für Ramsau geprobt, und Horst hat wieder einen großen Stapel von Liederblättern mitgebracht. Wer diesmal fehlt, ist der Gitarren-Herbert, der zwar neue Knie bekommen hat, damit aber noch nicht Ski fahren kann. Die Haus- und Hofkapelle wird aber erstmals von Karin verstärkt, die mit ihrer Gitarre Lieder und Instrumentalstücke gleichermaßen einfühlsam begleiten kann.

Musikalischer und gesellschaftlicher Höhepunkt der Ramsau-Woche ist natürlich wieder der Abend auf der Halser Alm. Durch die große Teilnehmerzahl muss sich die Mannschaft auf zwei Räume aufteilen. Dies erschwert zwar das ganz große Gemeinschaftserlebnis und mitunter auch die Kommunikation, tut aber der Stimmung letztlich keinen Abbruch. Auch das Kulinarische kommt nicht zu kurz. In beiden Räumen werden zunächst in Riesenpfannen Eier und Speck knusprig gebraten. Jeder erhält eine Gabel und ein Stück Brot – und los geht`s! Wer eine Woche lang gemeinsam im gleichen Schnee mit den Stöcken herumstochert, kann diese kollektive Stocherei problemlos auch in der Pfanne fortsetzen. Als zweiter großer Gang folgt - in den gleichen Pfannen, versteht sich - der goldgelbe, duftende Kaiserschmarren, ganz nach alten Bauernregeln zubereitet und zelebriert. Stehen die Pfannen auf dem Tisch, wird hochprozentiger Rum darüber gegossen und angesteckt. Wenn die Flammen bis zu den rußgeschwärzten Deckenbalken schlagen, müssen alle drumherum Sitzenden aus Leibeskräften blasen, um das Feuer zu löschen. Nach dieser recht urschlächtigen Flambierung kommen Preiselbeeren drüber und zuletzt mit einem grossen Sieb reichlich Staubzucker, der dann auch einige Herren mit schütterer Haarpracht wie frisch verschneite Alpengipfel aussehen lässt. Zwischendurch wird immer wieder laut und fröhlich gesungen, sei es nach den Liederblättern oder nach plötzlichen Eingebungen. Die Musiker verteilen sich auf die beiden Räume oder wechseln von Zeit zu Zeit. Die Super-Gaudi wird natürlich angeheizt durch den berühmten Ramsauer Jagertee, dessen geheime Rezeptur auch Alfred bisher noch nicht vollständig ergründen konnte. Auf jeden Fall hat Alfred wieder Fackeln dabei, um all denjenigen heimzuleuchten, die beim einstündigen Heimweg durch den Schnee großes Anlehnungsbedürfnis zeigen.

Autor: Hubert Leitermann

 

Hubert Leitermann hat sich in seiner langen SCK-Zugehörigkeit auf vielen Feldern engagiert, Erfahrungen eingebracht und Interessierten zugänglich gemacht. Seine tollen Beiträge für unsere Pistenpost sind immer eine Bereicherung. Hubert – bitte nicht nachlassen

Ramsau Teilnehmer 2005

 

Eine wahrhaft exotische Winterreise

Jenseits jeglicher Vorstellungskraft schien mir noch vor nicht allzu langer Zeit eine Reise in einen Teil der ehemaligen Sowjetunion. In eine Gegend deren Existenz Wissenslücken offenbart, ähnlich weißer Flecken auf einer Landkarte, obwohl die „Neuen Länder“ des Baltikums seit 2004 Mitglied der EU sind. Wer schon kennt wenigstens die Namen der Hauptstädte Estlands, Lettlands und Litauens auf Anhieb. Tallinn, Riga, Vilnius waren doch auch allenfalls während einer Zeit in unseren Medien präsent, als die Unabhängigkeit dieser Länder und eine militärische Intervention der Sowjetunion auf Messers Schneide stand. Namen wie Sigulda, Tartu und Otepää waren mir gerade noch wegen der Bobbahn, dem größten Langlauf-Volkslauf Estlands und den Weltcupwettbewerben der Langläufer bekannt. Wo sie genau liegen, Fehlanzeige.

Umso deutlicher geweckt wurde mein Interesse jedoch, als die größte Billigfluglinie vergangenes Jahr in großen Lettern verkündete, ab 31. Oktober könne man auf einer neu eingerichteten Linie für gerade mal € 19,99 vom nahe gelegenen Hunsrück nach Riga gelangen.

Logische Überlegung des Inhabers eines Worldloppet- Passes - dem Bestreben nach - dem Absolventen von wenigstens 10 der 13 größten Volksläufe der Welt - wie komme ich von Riga weiter nach Otepää oder Elva ? Dies sind die Austragungsorte des Tartu - Marathons.

Die bis zum Zeitpunkt dieser Fragestellung einzige in unserem Hause existente Landkarte war nur winziger Bestandteil des Auto-Atlas 1999/2000 im Maßstab 1:2 Mio. Sie gewährte nur einen groben Überblick über das Netz der größten Straßen- und der wenigen Bahnverbindungen. Zu erkennen war aber doch eine Bahnlinie von Riga über die lettisch/estische Grenze nach Tartu (ca. 250 km) und weiter bis Tallinn oder St. Petersburg. Also sollte es doch möglich sein, mittels öffentlicher Verkehrsmittel nach Otepää, dem Startort des Tartu-Marathons zu gelangen. Mietwagen kam wegen der hohen Preise nicht in betracht, zumal bisher auch wenig Ermutigendes von privaten Autoreisen in ehemalige Länder der Sowjetunion zu hören war. Und dann noch unter winterlichen Verhältnissen.

Einzige im Internet zu findende Beschreibung über die Hauptbahnlinien des Baltikums war die abenteuerlich anmutende Reisebeschreibung einer Gruppe Grüner Bundestagsabgeordneter vom Sommer 2002, einer Reise von Berlin nach Tallinn. Doch dank der Bemühungen sich schnell westlichen Standards zu nähern, ist heute ein Großteil der inländischen Fahrpläne bereits im Internet zu finden.

Nachdem ich Reiner und die Ehefrauen als mögliche Mitereisende gewinnen konnte, machte ich mich also an die Planung einer preiswerten Winterreise auf bisher unbekannten Pfaden in EU Neuland. Und so kam es dann auch. Dass es eine Rucksackreise werden müsste, behielt ich vorsorglich noch eine Zeit lang für mich.

Reisebeginn 9. Februar 2005:
Flug von Hahn 18:30 nach Riga Ankunft 21:45 (Ortszeit 1. Stunde voraus).
Freundlicher Empfang einer gänzlich in Rot gekleideten, englisch sprechenden Hostess am Hauptausgang des Flughafens. Sie kümmert sich um die Bereitstellung eines genügend großen Taxis für Rucksäcke und Skisäcke zum Hotel in die Innenstadt Rigas, unweit des Bahnhofes, da die Bahn zum lettisch/estischen Grenzort Valka (mit k), Bahnhof Lugazi (164 km), bereits am nächsten Morgen um 6:36 fährt.

Das Hotel in der wunderschönen Altstadt, nur fünf Gehminuten zum Hauptbahnhof ist ein Abenteuer an sich, dessen Beschreibung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.
Spät gehen wir noch schnell rüber zum Bahnhof. Ein Schalter ist die ganze Nacht geöffnet. Doch Fahrscheine würden erst am Morgen verkauft, verkündet die nur wenige Worte englisch sprechende Schalterdame. Schwierige Verständigung wegen der Frage nach dem Fahrpreis.

Zuhause hatte ich wegen der vermuteten Probleme während des späten Abends oder des frühen Morgens an lettisches Bargeld (LAT) zu gelangen, vorsorglich 215,-- Euro für uns alle eingetauscht. Dem jungen Mann am Sparkassenschalter taten sich mit meiner Frage nach Devisen Baltischer Staaten auch einige Wissenslücken auf. Darüber, dass es sich im Falle Estlands um Kronen und im Falle Lettlands um so genannte LAT handele, musste ich – ihn – erst mal aufklären. Ein solches Anliegen war ihm in Kelkheim noch nicht untergekommen, wie fern uns doch noch diese Länder sind. An dieser Stelle angemerkt sei, es handelt sich nicht um ein in unserer „Pistenpost“ annoncierendes Geldhaus. Erst ein Telefonat musste Aufklärung bringen, ob solch exotisches überhaupt vorhanden sei. Estische Kronen waren wenigstens in der Zentrale vorrätig, LAT mussten gar von dieser erst besorgt werden. Es dauert somit einige Tage und im Falle der Kronen auch nur zu einem wahrhaften Wucherkurs.

Also, wir hatten unsere pro Person ca. € 100,-- in der Tasche, wohl– wie ich dachte– vorläufig für Taxi und die erst mal einfache Bahnfahrt ausreichend, gemessen an unseren DB Preisen. Die Schalterdame in Riga schreibt mir nach mehrmaliger Frage nach dem Preis Riga bis Lugazi, nach verbal sich als unmöglich erweisender Verständigung letztlich in großen Ziffern „1.79“ auf einen Zettel. Reiner meint, sie würde langsam unwirsch, angesichts meines Protestes gegen den Preis von „one – seven – nine“ LAT.

So lassen wir uns am Morgen bei der Zahlung überraschen. Unsere Dame sitzt noch immer da, doch sichtlich ermüdet, und sie freut sich offenbar nicht sonderlich über unser Erscheinen. Und sie rechnet in der Tat pro Person LAT 1.79 ab, unvorstellbare € 2,75. Wir müssen uns damit abfinden, wir dürfen nicht mehr zahlen für 164 km Bahnfahrt, na wenn`s denn sein muss. Ich erinnere mich, diese „1.79“ im letzten Jahr unter dem Link „Preise“ schon mal gesehen zu haben. Konnte sie aber ebenso wenig zuordnen wie nun Schalter.

Bahnsteig 1, die jeweils nur aus einem Großabteil bestehenden Waggons sind blitzsauber, keine Kratzer an den Fenstern, keine Schmierereinen, kein Müll. Nur wenige Berufspendler und eine müde wirkende Schaffnerin steigen zu. Gezogen wird der Zug von einer mächtige Diesellok, einer richtigen „Taigatrommel“. Der Lokführer pendelt in seinem Blauen vor der Abfahrt noch mehrmals zwischen Zugende und Lok durch die Waggons. Kaum hat der Zug angezogen werden von der nun eher streng dreinblickenden Schaffnerin die Fahrscheine akribisch kontrolliert. Diese ominösen 1.79 LAT hätten wir auch bei ihr zahlen können. Wie damals noch in unseren Straßenbahnen. Nicht auszudenken, wir hätten ihr in diesem verschlafenen Zug den Wochenlohn eines lettischen Taxifahrers - ungefähr in Höhe des Wertes unseres kleinsten Geldscheines - zum Wechseln gereicht.

Und so rasseln wir gemächlich in den Tag, gehalten wird an jedem Bahnhof. Die Schaffnerin lässt sich zwischen den Stationen jedes Mal wieder zum Schlafen nieder. Ich glaube, sie hat trotzdem das leise Rascheln meines kleinen Schokoladenpapiers vernommen und artig trage ich dieses bis zum einzigen Papierkorb an der Abteiltür. In der Dämmerung sehen wir fliehende Elche. Die Fahrgäste tragen alle Mützen, sind trist gekleidet. Ausgenommen die jungen Frauen. Sie tragen ausnahmslos, sowohl in Kleidung als auch im Makeup einen Mix aus russischer Tradition und westlichem Antlitz.

Endstation ist nach knapp 3 Stunden Fahrt mitten im Wald, Bahnhof Lugazi, bestehend aus nur einem Bahnsteig und einem kleinen Bahnhofsgebäude. Hier ist die Bahnlinie, die zu Sowjetzeiten durchgehend war bis Tallinn, wohl schon seit der Abspaltung gekappt.

Alle noch übrig geblieben Fahrgäste – mit uns nicht mehr als ein Dutzend – stapften durch den Schnee zu einem bereitstehenden Bus. Weiterfahrt über holprige, schneebedeckte Straßen durch Wohnviertel und vorbei an scheinbaren Fabrikruinen bis zur Busendstation, kurz vor dem Grenzübergang. Zu Fuß geht es weiter ca. 300 m bis zum kleinen - nur für Fußgänger geöffneten – Grenzübergang. Ausweiskontrolle trotz EU -Innengrenze. Wegen der engen Fußgängerschranke heben wir die Skisäcke von Lettland nach Estland über den Zaun.

Nach 500 m beschwerlichen Fußweges, Rucksack 15 kg, Skisack 17 kg, kleiner Rucksack als Handgepäck, entdecke ich auf der Suche nach einem Hinweisschild zur Busstation hinter der Kirche an einem hübschen Holzhaus im skandinavischen Stil in großen Lettern „Tourist Information“, Glück muss man haben. Darin empfängt mich eine vor Begeisterung und Freude überschäumende, englisch sprechende Dame. Angesichts eines zu dieser Tages- und Jahreszeit auftauchenden, westlichen Touristen, der aus der Kälte kam, irgendwie auch verständlich. Nach der Schilderung unseres Reiseweges und des Ziels fordert sie uns auf bis zur Abfahrt des Busses unser Gepäck in ihrem Büro zu deponieren. Sie lässt uns wissen, dass sie schon in Frankfurt war. Ein Freund habe damals in Nidderau gewohnt. Auch dort wohnen Mitglieder unsres Skiclubs, lasse ich sie wissen. So klein ist die Welt an einem trüben, kalten Donnerstagmorgen in einem uns bis dahin unbekannten, estischen Grenzort.

Sie gibt uns Empfehlungen für eine Mahlzeit in unweit gelegenen Lokalen, die Köchin bietet uns mangels Verständnis der Speisekarte Einblick in ihre Töpfe, während unsere Freundin im Tourist - Büro für 11:45 ein Taxi zum 2 km entfernt liegenden Bahnhof bestellt. Sie ist kaum noch vor Freude zu bremsen, als wir später noch lobende Worte in Ihr Gästebuch schreiben. Sie lässt uns versprechen auf der Rückfahrt wieder bei ihr reinzuschauen. Als letzen Service gibt sie uns noch ein Schreiben für den Busfahrer in die Hand, versehen mit dem Hinweis, uns an der Landstraße unweit unseres Hotels aussteigen zu lassen.

Unser Taxi zum Bahnhof muss wegen des Gepäcks zweimal fahren. Von dort gibt es dann wieder die Bahn über Tartu nach Tallinn. Wir nehmen um 13:00 den Bus nach Otepää ca. 45 km. Fahrscheine gibt es im Bahnhof oder beim Fahrer.

Wir fahren durch hügelige Landschaft, über schneebedeckte Nebenstraßen, vorbei an ausgestorben wirkenden Dörfern und Gehöften, vorüber an deutschen Soldatenfriedhöfen des 2. Weltkrieges. Nur rauchende Kamine oder Ofenrohre und auf offener Straße winkende Fahrgäste machen deutlich, dass es hier tatsächlich Menschen gibt. Reiner vermutet gar hinter jedem rauchenden Ofenrohr ein Wodka-Brennerei. Die Doppelscheibe neben meinem Sitz ist undicht und mit Wasser gefüllt, so dass sogar am schwankenden Wasserspiegel zu erkennen ist, ob der Bus bergauf oder bergab fährt, meint Reiner. Ich verfolge auf der Karte die Route und die Position des Busses. Exakt an der vorgesehenen Stelle lässt uns der Fahrer aussteigen, 600 m bis zum empfehlenswerten Hotel Bernhard

Die Schilderung der Erlebnisse während der Tage in Otepää und der Erlebnisse während des Lauf über 63 km böte genügend Stoff für einen weiteren Artikel. Nur eines sei dazu angemerkt. Bisher galt unter uns Worldloppet-Läufern im SCK - die ihn absolviert haben - der Birkebeinerlauf in Norwegen als die bis dahin größte Herausforderung. Nicht nur wegen des Wetters am Sonntag, mit Sturm und Schneefall, sondern in erster Line wegen seines Streckenprofils in diesem Hügelland hat er diesen in seiner Härte weit übertroffen.

Dem interessierten Leser soll die Zusammenstellung der reinen Fahrtkosten nicht vorenthalten werden:

                  Flug Hahn – Riga incl. Steuern u. Gebühren € 31,97
                  Flug Riga – Hahn 34,37
                  2x Taxi Flughafen Riga – Innenstadt 7,69
                  2x Bahn Riga – Lugazi 328 km 5,51
                  2x Bus Lugazi – Valka 0,62
                  2x Taxi Tourist Info – Bahnhof Valga 1,92
                  2x Bus Valga – Otepää 90 km 3,83
                  -----
                  Hahn – zum Start Tartu-Marathon und zurück € 85,91
                
Zum Abschied auf der Rückreise schenkt unsere Freundin in Valka uns noch was sie gerade passendes finden kann, einen kleinen Schokoriegel aus ihrem Privatbesitz, weil ja „Valentinsday“ sei.

Ja – und dann muss auch noch ein Engel zu erwähnen der uns erschienen ist, den „uns der Himmel geschickt hat“ wie Reiner meinte.
Dieses Erscheinen würde nochmals ein ganzes Kapitel füllen. Wen`s interessiert, dem kann ich`s gerne erzählen beim nächsten Plaudertreff oder beim Sommerfest.

Eines vorweg, Estland kann stolz sein auf seine Frauen.

Autor: Alfred Herrmann

 

Alfred Herrmann ist seit 1976 Mitglied und seit vielen Jahren Vorsitzender, nachdem er vorher 12 Jahre lang Sportwart Nordisch war. Wie auf dem nach ihm benannten Steig zum Staufen geht’s unter seiner Leitung mit den Alpinen und Nordischen stetig aufwärts. Der Vorzeigesportler besitzt nicht nur einen vollen internationalen Worldloppet-Pass, sondern auch als Instructor Nordic die „einzig wahre“ Kompetenz für das Nordic Walking. Die beliebten Skiwochen in Ramsau sind ohne ihn nicht vorstellbar. Seinem Ruf, gelegentlich auf „stur“ zu schalten, ist das neue Clubheim zu verdanken. Als Hausphilosoph versucht er immer wieder mit seiner Rubrik „Schneeball“, Lawinen neuer Ideen ins Rollen zu bringen.

Wasalauf - die Königsdisziplin für unsere Skilangläufer

Diejenigen von uns, die den Wasalauf in Schweden schon gemacht haben, sind fest davon überzeugt: Wer diesen Lauf noch nicht erlebt hat, kann nicht von sich behaupten, er sei ein welterfahrener Skilangläufer. Der Wasalauf – benannt nach dem alten schwedischen Königsgeschlecht Wasa - ist mit seiner 81-jährigen Tradition und seiner 90-Kilometer-Distanz unbestreitbar die Königsdisziplin unter den Worldloppets, den 14 größten Skimarathons in aller Welt.

Den Vasaloppet, wie er schwedisch heißt, konnten sich aus unserem Club bisher u.a. Alfred Herrmann, Manfred Hütter, Renzo Albanese und Reiner Kretzschmar in ihrem Worldloppet Pass eintragen lassen. Am 81.Wasalauf, der am 6.März 2005 stattfand, nahmen Manfred Hütter und Hubert Leitermann teil. Dies geschah im Rahmen einer zweiwöchigen Busreise mit dem Dresdner Skiclub Saxonia, der bei Fahrten zu Worldloppets langjährige Erfahrung hat. Da in diesem Jahr der Wasalauf und das finnische Pendant „Finlandia Hiihto“ nur eine Woche auseinander lagen, konnten beide Läufe in einer Reise kombiniert werden.
Die Busreise ist sicher wesentlich zeitaufwendiger als der sonst übliche Flug, hat aber durchaus ihren Reiz. Wieder einmal lernen wir nette Skikollegen aus Sachsen und Thüringen kennen, darunter sehr ehrgeizige junge Läufer ebenso wie alterfahrene Skisenioren. Die meisten haben in dieser Saison schon viele hundert Schneekilometer in den Beinen und auch schon etliche Worldloppets und andere Rennen absolviert. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass beispielsweise die Erzgebirgler schon seit November fast durchgehend Schnee und damit gute Trainingsbedingungen haben. Eigentlich müssten die Kelkheimer einen Bonus in Form einer Zeitgutschrift für schneearme Regionen erhalten.

Der Finlandia in Lahti als Auftakt

Auf jeden Fall ist für uns (Manfred H. und Hubert) die Skandinavientour wieder einmal eine besondere Herausforderung und zugleich der Höhepunkt der Saison. Zur ersten Wettkampfstätte geht’s zunächst per Bus nach Rostock, dann mit der Fähre nach Trälleborg in Schweden, weiter über die Autobahn nach Stockholm, von dort wiederum mit dem Schiff nach Turku in Finnland und schließlich nach Lahti, dem bekanntesten finnischen Wintersportort. Untergebracht sind wir in einem kleinen Hotel nahe dem weltberühmten Skistadion, das durch seine drei mächtigen Sprungschanzen weithin sichtbar ist und wo auch Start und Ziel des Finlandia sind. Es herrscht sonniges, klares Winterwetter. Schnee gibt es nicht gerade reichlich, aber klirrende Kälte und finnisches Organisationstalent sorgen dafür, dass die Loipen überall in gutem Zustand sind. Als Hubert zum Training im Stadion erscheint, sieht er offenbar in seinem neuen finnischen Rennanzug so professionell aus, dass er sofort als Testläufer verpflichtet wird und mitentscheidet, wie aus dem tief gelegenen Stadion die Spuren für Start und Zieleinlauf zum Stadionrand auf Höhe der Sprungschanzen geführt werden. Manfred begeistert sich derweil an der Marathon-Messe, wo reichlich Langlaufausrüstung und Skiwachs zu erstaunlich günstigen Preisen angeboten werden und wo die rot gekleideten Serviceleute des finnischen Wachsproduzenten Start gegen angemessenes Entgelt gerne bereit sind, einem das Risiko des falschen Skiwachsens abzunehmen.

Start zum 32.Finlandia Hiihto ist am 26.Februar. Es handelt sich um eine Rundstrecke von 60 Kilometern, die früher eine Länge von 75 Kilometern aufwies. Viele „giftige Rampen“ stellen besondere Anforderungen an die Steigfähigkeit von Läufern und Skiern, viele steile und eisige Abfahrten an alpine Fahrkünste. Wie bei allen skandinavischen Worldloppets ist ausschließlich die klassische Technik zugelassen. Die rund 6000 Teilnehmer starten in Gruppen zu je 500 Läufern im Intervall von 10 Minuten. Die individuelle Nettozeit wird anhand eines Chips gemessen, den jeder Läufer als Band um den Knöchel trägt. Manfred bekommt einen riesigen Schreck, als er am Start feststellt, dass sein Chip keinen Pieps macht. Kein Wunder, hat er doch das elektronisch geladene Strumpfband im Rucksack gelassen, den er bei der Gepäckaufbewahrung deponiert hat. Er weiß: ohne Chip keine Zeitmessung und damit auch kein Stempel im Worldloppet Pass! Also zurück in aller Eile und schon geht die große Sucherei los: der Rucksack liegt natürlich – wie immer in solchen Fällen – tief unter Hunderten von Kleidersäcken begraben. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und Manfred entpuppt sich in solchen Situationen am Ende stets als Glückskind. Die Helfer zerren nach hektischer Wühlarbeit den Rucksack ans Licht, Manfred findet das Klettband und bindet es sich ans Bein, die Ordner haben ein Einsehen und lassen ihn gerade noch vor Toresschluss starten.

Gefährliche Abfahrten

Dann heißt es, die Hektik raus nehmen und den Lauf genießen. Das fällt umso leichter, als die Sonne scheint, der Schnee funkelt und nach anfänglichen Positionskämpfen jeder im Feld seinen Platz findet. Dabei nimmt man dann dankbar zur Kenntnis, dass die überwiegend teilnehmenden Finnen meist sehr fair sind und schnelleren Läufern beim Spurenwechsel höflich den Vortritt lassen. Was die Finnen nicht so mögen, sind steile Abfahrten. Da kommt es immer wieder zu Angstreaktionen, mit denen sie andere Läufer gefährden und unnötige Stürze provozieren. Man muss sich vorstellen, dass acht bis zehn Loipenspuren dicht nebeneinander steil den Berg herabführen. Die Geübten gehen in die Hocke, nehmen die Stöcke unter die Arme und machen sich so schmal wie möglich. Die Ängstlichen dagegen werden ganz breit, sie stellen die Ski im Schneepflug aus und rudern wild mit den Stöcken in der Luft herum. Um voran zu kommen, bleibt oftmals nichts anderes übrig, als einen auf brutalen Alpinfahrer zu machen, fremde Stöcke energisch zur Seite zu schlagen und über Skispitzen zu brettern. Das ist natürlich nicht ohne Risiko. So legt doch ein Skiläufer, der sich offenbar nach einem Sturz wieder aufgerappelt hat, entgegen aller FIS-Regeln seine Ski zum Einsteigen just in die Loipenspur, auf der Hubert mit hohem Tempo in die Tiefe rast. Nur dank des harten Alpintrainings mit Michael, Melitta & Co. in Obertauern gelingt Hubert das akrobatische Kunststück, in Längsrichtung mit einem lauten Raaatsch über die Ski zu donnern ohne dabei zu stürzen.

Weit friedlicher geht es auf den flacheren Passagen zu, die durch Birken- und Fichtenwälder, aber auch über zugefrorene und schneebedeckte Seen führen. Auch an Kultur fehlt es nicht, führt doch bei Kilometer 25 die Loipe bei der Siedlung Hollola an einer mittelalterlichen Kirche vorbei. Hier ist es in der Sonne richtig idyllisch und man vergisst fast, dass man im Rennen ist. Trotz der Sonne wird es allerdings auch mittags nicht wärmer als 10 Grad minus. Grund genug für viele Finnen, sich warm anzuziehen und Sturmmasken sowie Piratentücher unter der Mütze zu tragen. Da sehen wir mit unseren dünnen Rennanzügen richtig abgehärtet aus. Wir sind allerdings froh, dass wir uns vor dem Rennen noch warme Fäustlinge gekauft haben. Ansonsten muss das Tempo für eine gute Betriebstemperatur sorgen, was allerdings ab Kilometer 45 immer schwieriger wird, weil die Kräfte zur Neige gehen und an den Verpflegungsstationen nicht mehr überall die begehrten Kraftkekse und Riegel zu finden sind. Doch wir halten durch und können am Ende nach 60 Kilometern in schöner Schlussfahrt von oben ins Stadion fahren. Da die Zuschauerränge voll besetzt sind, lässt Hubert es sich nicht nehmen, in der Stadionrunde mit Doppelstockschub einen rasanten Zielsprint hinzulegen. Die Zuschauer finden das toll und feuern ihn im Chor kräftig mit dem finnischen Schlachtruf „Hyvä, hyvä!“ (gut,tüchtig) an. Wahrscheinlich wird Hubert auch als „alter Finne“ gefeiert, weil er das blau-weiße Nationaltrikot würdig vertreten hat.

Ins Hüttendorf nach Schweden

Gleich am nächsten Morgen heißt es von Lahti Abschied nehmen. Mit dem Bus geht es nach Helsinki und nach einem Stadtrundgang weiter nach Turku. Abends sind wir wieder auf der Fähre, wo wir uns das reichliche Wikinger-Buffet samt finnischem Lappinculta-Bier gönnen um dann in einer engen Viererkabine selig die Überfahrt nach Schweden zu verschlafen. In Stockholm machen wir mit dem eigenen Bus eine nette Stadtrundfahrt, freundlich begleitet von einer schwedischen Reiseleiterin. Nach der Weiterfahrt Richtung Norden über die alte Universitätsstadt Uppsala landen wir im Hüttendorf Rättvik und beziehen zusammen mit zwei netten Thüringern eine landesübliche „Hütta“, also ein kleines Holzhaus mit einem gemütlichen Aufenthaltsraum samt Kochnische und zwei kleinen Schlafräumen. Das ist unser Quartier für die nächsten 7 Tage, wobei die Skifreunde aus Thüringen und Sachsen für die Eigenverpflegung Fresskörbe von zu Hause mitgebracht haben und uns zunächst kameradschaftlich mitversorgen. Das Hüttendorf, romantisch mitten in einem Wald gelegen, ist etwa 30 Kilometer von Mora, dem Zielort des Wasalaufs, entfernt. Deshalb stehen uns insgesamt drei Busse zur Verfügung, die für einen recht gut organisierten Zubringer- und Abholdienst nach Mora, zum Startort Sälen und zu anderen Orten an der Rennstrecke bringen. Wir fahren mit dem Bus auch zum Training nach Grönklitt, einem professionellen Skizentrum, in dem auch immer wieder einmal Weltcups ausgetragen werden. Zur Einstimmung auf das Gastgeberland veranstaltet die Saxonia in unserem Hüttendorf einen deutsch-schwedischen Abend. Zehn junge Geigerinnen in regionaler Tracht – teilweise begleitet von einer Volkstanzgruppe – spielen abwechselnd fröhliche und schwermütige Weisen und erinnern damit an das bevorstehende Wechselbad der Gefühle beim Lauf der Läufe.

In der Woche vor dem großen Wasalauf werden auf der Rennstrecke verschiedene Läufe angeboten, die man alternativ oder zusätzlich absolvieren kann. So kann man z.B. die 90 km in der „offenen Spur“ machen, das heißt man kann individuell in der Zeitspanne von 7 bis 9 Uhr starten und braucht erst um 21 Uhr im Ziel zu sein. Man erlebt dann zwar nicht das legendäre „Original“, hat aber die Chance, die Strecke stau- und stressfrei ohne das vor allem auf den ersten Kilometern übliche Massengedränge zu bewältigen. Wir sind für den Originallauf gemeldet, entscheiden uns aber dafür, fünf Tage davor auch noch zusätzlich den „Halvvasan“, den Halb-Wasa mitzumachen, der über 45 Kilometer von Oxberg nach Mora führt. Zunächst fragen wir uns natürlich, ob wir damit nicht riskieren, für die Langdistanz Kräfte einzubüßen. „Ihr solltet doch alt genug sein, um zu wissen, wie man mit seinen Kräften haushalten muss“, bekommen wir zu hören oder auch „Ihr könnt wohl den Hals nicht voll kriegen!“. Als wir unterwegs sind, bereuen wir nichts. Strahlende Sonne, blauer Himmel, kalter Schnee, abwechslungsreiche Wald- und Seen-Landschaft und meist gut präparierte Loipen halten uns körperlich und mental in Schwung. Zugleich lernen wir die letzten 30 km der Langstrecke kennen und üben schon einmal den Zieleinlauf neben der malerischen Holzkirche von Mora. Das gibt uns ein gutes Gefühl für den bevorstehenden Voll-Wasa.

An den nächsten Tagen machen wir nur sehr schonendes Training, vor allem als Kennenlern-Tour auf den ersten 25 Kilometern der Langstrecke. Die Startnummernausgabe für den großen Lauf wird am Freitag in einer Turnhalle in Mora exklusiv für die insgesamt 162 deutschen Teilnehmer „zelebriert“, die per Bus oder Flugzeug mit dem Skiclub Saxonia angereist sind. Hubert ist in diesem Kreis der älteste Teilnehmer, was er auch(ein aufmerksamer Organisator hat hier mitgedacht) durch die Startnummer demonstrieren kann, die exakt sein Geburtsdatum wiedergibt, nämlich 15934. Jeder Beteiligte erhält zudem ein eigens für diesen Anlass kreiertes T-Shirt sowie ein Gruppenfoto, für das sich alle zum Casting vor dem Wasalauf-Museum versammeln.

Start durch den berüchtigten „Flaschenhals“

Obwohl wir eigentlich in vielen Rennen ergraute Worldloppet-Veteranen sind, werden wir am Sonntag, dem 6.März von einer Aufregung erfasst, als wären wir blutige Debütanten. Schon um 4 Uhr früh startet der Bus in das 130 km entfernte Sälen, um uns rechtzeitig an den Start zu bringen. Auf dem breiten Talgrund sind abgezäunte Felder mit erleuchteten Toreingängen für zehn Startgruppen. Wir sind ganz hinten der letzten Startgruppe zugeordnet, weil wir keine guten Zeiten aus früheren Wasaläufen nachweisen können. Wie es beim Wasalauf Brauch ist, werden Ski und Stöcke schon ein, zwei Stunden vor dem Start auf dem betreffenden Startplatz pyramidenförmig aufgestellt. Man muss sich nur angesichts der rund 17.000 Teilnehmer den Platz genau merken, wenn man im wilden Gewusel vor dem Start seine Bretter wieder finden will. Dass das nicht leicht ist, zeigt eine ganze Reihe von Skifahrern, die sich verzweifelt suchend durch die immer dichter werdende Menge schieben. Punkt 8 Uhr ist Start. Die in der Pole Position aufgestellte Elite sprintet los, und auch die ersten Startgruppen haben noch Platz, von Anfang an zügig in die Loipenspuren zu kommen. Dahinter staut es sich von Gruppe zu Gruppe immer mehr, und bei Gruppe 10, in der wir uns befinden, ist der Stau perfekt. Das liegt am berüchtigten „Flaschenhals“, dem steilen Anstieg über eine enge Waldschneise auf den ersten drei Kilometern. Hier vollzieht sich im unvorstellbar dichten Gedränge eine Materialschlacht gewaltigen Ausmaßes. Um wenigstens schrittweise voran zu kommen, ist man gezwungen, auf die Ski der Nachbarn zu treten und sie auch noch mit den Stöcken zu traktieren. Viele rutschen zurück, fallen zu Boden und lösen dabei menschliche Lawinen aus. Die zerwühlten Loipen sind übersät mit Skibindungen, Stockspitzen, Tellern, Handschuhen, Mützen und Sonnenbrillen. Hubert braucht für die 170 Höhenmeter 40 Minuten. Manfred, der schon früher einmal beim Wasalauf war, ist etwas schneller, weil er einen Umweg über eine seitliche Wiese kennt.

Nach etwa drei Kilometern ist mit 528 m Höhe der höchste Punkt der Strecke erreicht und man kann endlich damit beginnen, die große Zahl der langsamen Läufer zu überholen. Die sechs bis acht nebeneinander verlaufenden Spuren sind allerdings so dicht befahren, dass man sich an den Rändern und Zwischenräumen mühsam durchschieben muss. Es dauert deshalb mehr als zehn Kilometer, bis wir allmählich unseren Rhythmus finden. Dabei können wir beruhigt feststellen, dass unsere Ski gut gewachst sind. Während Hubert beim Wachsen sein Glück selbst versucht hat, verließ sich Manfred lieber auf die Erfahrung eines Service-Manns der Saxonia. Denn die Schneeverhältnisse sind alles andere als wachsfreundlich: morgens 15 Grad minus und mittags 5 Grad plus.

90 Kilometer Abenteuer pur

Es ist schon ein erhebendes Erlebnis, über eine Distanz von 90 Kilometern durch die winterlichen Wälder und über verschneite Seen dahin zu gleiten und immer wieder von den kahlen Bergkämmen den Blick über eine schier endlose Skilandschaft schweifen zu lassen. Hubert stellt fest, dass er über weite Strecken mit dem Doppelstockschub gut vorankommt. Dieser liegt ihm offenbar als leidenschaftlichem Skater mehr als der Diagonalschritt. Am nächsten Tag erhält Hubert die Bestätigung, dass er sich mit dieser Vorliebe in bester Gesellschaft befand, denn ein Video vom Wasalauf zeigt, dass die Spitzenläufer 90 Prozent der Strecke schieben. Umso größer ist die Anerkennung, die Manfred verdient, weil er konsequent den Diagonalschritt läuft und damit vorbildhaft die klassische Tradition im Skiclub hochhält. Dass Hubert insgesamt schneller ist, liegt allerdings nicht nur an der „Schiebung“, sondern an Manfred`s Husten, den er nur durch heißen Tee und mit der beim Wasalauf obligaten warmen Blaubeersuppe einigermaßen unter Kontrolle halten kann. Glücklicherweise sind die etwa alle zehn Kilometer eingerichteten Verpflegungsstationen gut mit Getränken und Läufernahrung ausgestattet. Hubert nimmt abwechselnd neben Blaubeersuppe auch noch Rosinen, Bananen und süße, weiche Brötchen; dagegen will er die bei den Schweden so beliebten Scheiben von Sauren Gurken und die handlichen „Boller“(Hackfleischbällchen) seinem mitteleuropäischen Magen lieber nicht zumuten. Keine Experimente macht Hubert auch beim Trinken: warmes Wasser, wie man es sonst nur für`s Zähneputzen verwendet, wird immer wieder so lange hineingeschüttet, bis der Bauch vernehmbar gluckert.

Mentale Energiestöße gibt’s reichlich von den vielen Zuschauern an den Verpflegungsstationen. Aber auch unterwegs im Wald trifft man viele Schweden, die Löcher in den Schnee gegraben haben, um auf Holzfeuern Tee für die Läufer zu kochen. Viele rufen, wenn sie unseren Nationalitätenaufkleber auf den Startnummern erkennen: „Heja Tyskland!“ oder auch „Bravo Deutschland!“ An einigen größeren Stationen wie Evertsberg und Oxberg herrscht bei strahlendem Sonnenschein eine regelrechte Volksfeststimmung mit Blaskapellen, temperamentvollen Lautsprecheransagen und Interviews mit Teilnehmern vor laufenden Fernsehkameras. Die Stimmung ist dann immer wieder so mitreißend, dass sie Flügel verleiht und für eine Weile das Blei in Armen und Beinen, der schmerzende Rücken und die aufkommende Müdigkeit vergessen sind. Allerdings scheint sich dieser Motivationsschub nicht allen Läufern mitzuteilen, denn Hubert überholt noch bei Kilometer 70 und 80 viele, die – wie die Startnummern erkennen lassen – in Gruppen weit vor ihm gestartet sind. Nicht wenige machen den Eindruck, dass sie nur noch mit großer Anstrengung vorankommen. Das kann allerdings kaum überraschen, wenn man bedenkt, dass der Wasalauf nicht nur etwas für die Elite, sondern ein riesiger Volkslauf ist. Oft hört man, dass es der Wunschtraum eines jeden Schweden sei, einmal im Leben am Wasalauf teilzunehmen. Für manch einen ist es dann leider auch der letzte Lauf seines Lebens. So sehen wir beim Vorbeifahren, wie ein älterer Skiläufer direkt neben der Loipe reglos am Boden liegt und Sanitäter an ihm Wiederbelebungsversuche machen. Uns läuft es bei diesem Anblick kalt den Rücken herunter. Später erfahren wir dann, dass er nicht überlebt hat und auch bei zwei weiteren Teilnehmern jede Hilfe zu spät kam. Ein aktiver Skilangläufer weiß nie, wann ihm die Stunde schlägt und ob das gerade in der Loipe ist. Aber man kann das Risiko sicherlich in Grenzen halten, wenn man sich auf solch einen Einsatz gewissenhaft vorbereitet und während des Rennens sofort das Tempo herausnimmt, wenn der Körper Probleme signalisiert.

Hubert hat sich seine Kräfte so eingeteilt, dass er auf den letzten zehn Kilometern noch zulegen kann. Da es jetzt tendenziell bergab geht, ist Doppelstockschub angesagt. Als er in den Ortsbereich von Mora kommt und in die etwa ein Kilometer lange Zielgerade einbiegt, ist es für ihn Ehrensache, nochmals die Schlagzahl zu erhöhen, was die Zuschauer mit kräftigem Applaus quittieren. Wie im Flug geht`s vorbei an der alten Holzkirche, dem Wahrzeichen von Mora, und schliesslich durch das aus Holz geschnitzte legendäre Wasa-Tor ins Ziel. Auch Manfred, der seinen Husten „pflegen“ muss, läuft stetig, aber unaufhaltsam dem Ziel entgegen. Er erlebt noch auf der Loipe die „blaue Stunde“, als die Sonne im Westen, wo wir her kommen, hinter den Hügeln verschwindet, der Himmel sich rot färbt und langsam die Dämmerung fällt. Noch lange schwärmt er von der romantischen Stimmung, als die Loipe von vielen kleinen Lämpchen und Kerzen im Schnee erleuchtet wird und in Mora altehrwürdige Gaslaternen die immer noch zahlreichen Läufer zur Endstation Sehnsucht begleiten.

Autor: Hubert Leitermann

 

Hubert Leitermann hat sich in seiner langen SCK-Zugehörigkeit auf vielen Feldern engagiert, Erfahrungen eingebracht und Interessierten zugänglich gemacht. Seine tollen Beiträge für unsere Pistenpost sind immer eine Bereicherung. Hubert – bitte nicht nachlassen

Winterfest 2004

Das Silbenrätstel war eine harte Nuß. Dank des Teamgeists der SCK’ler war das Rätsel nach einiger Zeit gemeinsam gelöst, so dass die Preise ausgelost werden mussten.
Axel als Fernsehkoch beim Backen eines Wiskykuchens
die Qualität des Wiskys musste natürlich ausreichend gekostet werden
Beverly und Ralf beim Vortragen einer witzigen deutsch/englischen Weihnachtsgeschichte
Ehrung für 25-jährige Mitgliedschaft im SCK (von links: Dr. Edwin Baier, Helga Solzer, Manfred Jansohn, Andrea Beutner)
Fortsetzung der Ehrung: von links: Annemarie Kaiser (als Gratulantin) Maria Baier, Alexander Solzer, Edda Rosenthal, Dr. Edwin Baier, Helga Solzer, Alfred Herrmann (als Gratulant) und Manfred Jansohn

 

Hurra

trotz der seit rund 20 Jahren konstant sich verschlechternden Winter und unserer für einen großen Skiclub ungünstigen Region ist es und gelungen mit unserer Mitgliederzahl die 400 zu überspringen. Nach 20 Jahren auch deswegen, weil wir 1984 den bisher höchsten Mitgliederstand zu verzeichnen hatten. Damals – zu Zeiten unseres Gründungsvorsitzen Heinz Maschke – hatten wir es auf die jemals erreichte Höchstzahl von 420 geschafft. Als er, der unermüdliche in Sachen SCK, nicht mehr unter uns war ging die Mitgliederzahl bis zum Anfang der Neunziger Jahre leider auf einen Tiefststand von 290 zurück.

Bereits anlässlich des vergangenen Weihnachtsmarktes konnten wir, nachdem wir drei Jahre zuvor während des gleichen Anlasses unser 350. Mitglied aufnehmen konnten, Gerlinde Steyer in unseren Reihen begrüßen.

Herbert Rydzeks Frau hatte schon zwei Jahre zuvor bei einem Jagatee angekündigt und versprochen - wenn die Zeit gekommen sei - als 400. Mitglied einzutreten.

Zum Abschluss der Saison waren es dann bereits 407 Mitglieder. Wir können uns damit zu den wenigen Sportvereinen zählen, die entgegen des Trends, ihre Mitgliederzahl erheblich steigern konnten.

Gründe für diesen Erfolg liegen eindeutig auf der Hand.
Attraktive und neue Skireisen, reaktivierter Lauftreff mit Nordic Walking, gutes und abwechslungsreiches Hallentraining (Skigymnastik), gesellschaftliche Veranstaltungen die den Mitgliedern Spaß machen, Mitorganisation des Halbmarathons, Präsenz in der Öffentlichkeit und verstärkte Pressearbeit, Homepage, Pistenpost, Identifikation unsrer Mitglieder mit dem Verein. Dass man im Skiclub gut aufgenommen und aufgehoben ist, spricht sich herum.

Es ist unser aller Erfolg, insbesondere all jener, die sich in der Vergangenheit dem Verein in irgend einer Form zur Verfügung gestellt haben. Wer dazu bereit ist und dies bisher noch nicht getan hat, lasst es den Vorstand oder die jeweilige Organisatoren wissen.

Ein herzliches Dankeschön dafür.

Autor: Alfred Herrmann

 

Alfred Herrmann ist seit 1976 Mitglied und seit vielen Jahren Vorsitzender, nachdem er vorher 12 Jahre lang Sportwart Nordisch war. Wie auf dem nach ihm benannten Steig zum Staufen geht’s unter seiner Leitung mit den Alpinen und Nordischen stetig aufwärts. Der Vorzeigesportler besitzt nicht nur einen vollen internationalen Worldloppet-Pass, sondern auch als Instructor Nordic die „einzig wahre“ Kompetenz für das Nordic Walking. Die beliebten Skiwochen in Ramsau sind ohne ihn nicht vorstellbar. Seinem Ruf, gelegentlich auf „stur“ zu schalten, ist das neue Clubheim zu verdanken. Als Hausphilosoph versucht er immer wieder mit seiner Rubrik „Schneeball“, Lawinen neuer Ideen ins Rollen zu bringen.